Städtische Kaffeesatzleserei nach Bürgerentscheid

Zwei Tage nach dem Bürgerentscheid zum Gewerbegebiet in Mühlacker üben sich die Verantwortlichen in Erklärungsversuchen. Knappe 1100 Stimmen Unterschied (entspricht über 40%) zwischen Ja- und Nein-Stimmen seien nicht aussagekräftig. Die Zuhausegebliebenen wären hauptsächlich Befürworter des Gewerbegebiets gewesen.
Das Sahnehäubchen aber war die Aussage von Oberbürgermeister Schneider. Für ihn war klar, dass sich die Bevölkerung nicht (!) gegen ein Gewerbegebiet entschieden habe. Vielmehr wäre es so, dass sich die Bürger von Lienzingen, Mühlhausen und Lomersheim jeweils gegen den Standort ausgesprochen, der sie betreffen würde.

Diese Behauptung ist aus mehreren Gründen falsch. Seine These erklärt nicht, warum die Nein-Stimmen auch in Mühlacker, Dürrmenz und Großglattbach die Mehrheit hatten. Selbst in Enzberg, was abseits von den potentiellen Standorten liegt, gab es kein Votum für ein Gewerbegebiet.

Zu behaupten, die Bevölkerung hätte sich jeweils nur gegen das Gewerbegebiet vor der eigenen Haustüre entschieden, ist pure Augenwischerei. Das wäre OB Schneider klar geworden, wenn er eine der zahlreichen Informationsveranstaltungen der Initiative für Lebensqualität besucht hatte. Hier waren sich alle einig, dass es nicht um die Frage geht, ob man das Gewerbegebiet vor der eigenen Haustür verhindert. In dieser Frage wollten sich die Mitglieder der Initiative nicht von der Stadt entzweien lassen. Für unsere Initiative war und ist das Ziel, die Vernichtung wertvoller Wald- und Ackerflächen grundsätzlich zu verhindern, einerlei ob es um den Standort Hart oder Lug/Fuchsensteige geht.